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23.07.2008 -  

Serie (Teil2): Der kleine Unterschied: 1,02 oder 1,03?

Oft wird gefordert, den Umrechnungsfaktor der Milch von Liter in Kilogramm von 1,02 auf 1,03 abzuändern. Damit soll die Milchmenge verringert und so der Markt entlastet werden. Ist das die Lösung der Probleme auf dem Markt?

In Europa gibt es heute mehrere Umrechnungsfaktoren. Deutschland und Dänemark rechnen mit 1,02, Österreich mit 1,025. Das übrige Europa nimmt den Faktor 1,03. Das zeigt schon: Den einen, absolut richtigen Umrechnungsfaktor gibt es nicht.

Das ist leicht erklärlich. Denn das tatsächliche Gewicht von einem Liter Milch hängt von den Inhaltsstoffen ab. Der richtige Faktor schwankt daher von Betrieb zu Betrieb, wenn nicht gar von Kuh zu Kuh. Die Kieler Milchforschung setzt den „physikalisch richtigen“ Faktor für Deutschland übrigens sogar höher als 1,03 an.

Auf die Frage nach einer Lösung für den Markt gibt es eine kurze und eine lange Antwort: Die kurze kommt vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin. Dort vertritt man die Auffassung, dass die EU-Kommission keine Änderung für nötig halten wird. Denn die Ursprungsquote wurde seinerzeit in Liter und nicht in Kilogramm zugeteilt, also in Volumen und nicht in Gewicht.

Daraus folgert man in Berlin, dass sich bei einer Neuberechnung das Gewicht der Quote, nicht aber das Volumen ändern würde. Man könnte also auch mit dem Faktor 1,5 oder 2,5 oder jedem anderen Faktor rechnen: Die Milchmenge in Liter, die der Betrieb abliefert, würde sich keinen Deut ändern.

Mit dem höheren Faktor 1,03 würde sich die Quotenmenge in Kilo sogar erhöhen, auch wenn der Tankwagen keinen Liter mehr abholt. Die Kommission ist angefragt und wird sich dazu äußern müssen. Bestätigt Brüssel die Berliner Auffassung, dann bleibt eine Änderung des Umrechnungsfaktors völlig ohne Wirkung, der Milchmarkt wird nicht entlastet.

 Folgen wir aber einmal der zweiten Meinung, wonach die Milchmenge in der Realität sinken soll. Natürlich kann man den Faktor ändern. Aber eines sollte klar sein: Die Wirkung wäre lediglich eine nationale. Deutschland würde seine Milchmenge um 1 % kürzen. Unsere Nachbarn dagegen, insbesondere in Dänemark und die Niederlande, würden sich die Hände reiben und fehlende Mengen nach Deutschland liefern.

Wie wirkt die Umrechnung auf den Milcherzeuger? Beim aktuellen Faktor 1,02 und einer Quotenmengen von 100.000 kg ergibt sich eine Milchmenge von 98.039 Liter. Erhöht sich der Faktor auf 1,03, verringert sich die Milchmenge auf 97.087. Das ist eine Differenz von 952 Liter, also etwa 1 Prozent. Ein Betrieb mit einer halben Mio. Liter Quote müsste 4760 Liter weniger erzeugen. Das ist für unseren Betrieb etwa eine halbe Kuh weniger. Die Meierei bekommt weniger Rohstoff, kann daraus weniger Produkte herstellen und macht folglich weniger Umsatz. Eine Meierei mit einer Verarbeitungsmenge von 100 Mio. kg Milch, die Käse für 3 Euro/kg verkauft, nimmt 285.500 Euro weniger ein.

Das entspricht einer Milchgeldreduzierung von 0,285 Ct/kg. Rechnet man nun die Direktkosten der halben Kuh als Ersparnis dagegen, ändert sich das Ergebnis leider nur wenig. Die Direktkosten betragen laut aktueller Vollkostenauswertung der Spezialberatung bei einer Milchleistung von 8247 kg/Kuh und Jahr 21,83 Ct im Durchschnitt aller Betriebe. Der Mindererlös unseres Betriebes durch das verringerte Milchgeld beträgt 1.425 Euro im Jahr. Die Ersparnis beläuft sich auf 1.039 Euro, so dass ein immer noch negativer Saldo von 386 Euro im Jahr bleibt.

Doch die eigentliche Frage ist, ob sich dieser Mengenverlust durch eventuell steigende Preise rechnet. Bundesweit würden bei einer Änderung des Faktors 280.000 t weniger Milch anfallen. Das ist schon etwas – aber nicht genug. Die EU-27 erzeugt jährlich 150 Mio. t Milch. Die Minderlieferung in Deutschland würde gerade mal 0,2 Prozent der EU-Milcherzeugung ausmachen. Das fällt am Markt nicht ins Gewicht. Im vergangenen Jahr unterlieferten Europas Milcherzeuger netto – nach Abzug aller Überlieferungen – etwa 2 Mio. t. Allein Großbritannien hat 780.000 t unterliefert. Der Erzeugerpreis hat sich davon leider wenig beeinflussen lassen.
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