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09.03.2010 -  

Biogas-Produktionskosten werden nicht drastisch sinken

Ein Einspeisegesetz für Biogas hätte für die Strom- und Gaskunden in Deutschland kaum Mehrkosten zur Folge. 

Damit rechnet der Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas (FvB), Claudius da Costa Gomez. „Beim Gaspreis würden die Kosten im Promillebereich steigen“, sagte Costa Gomez  am vergangenen Donnerstag. Ein Erneuerbares-Gas-Einspeisegesetz (EGE) gehört zu den aktuellen Hauptforderungen des Fachverbandes, der dafür das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Vorbild sieht. Kernelemente eines EGE sollen analog zum EEG klare Netzanschlussregeln für dezentrale Anlagen und eine verlässliche Vergütung sein. Ein solches Modell als Förderinstrument ist laut da Costa Gomez direkten staatlichen Eingriffen wie beispielsweise Quotenvorgaben weit überlegen. Dabei verweist er auf den Biokraftstoffmarkt, auf dem die Hersteller in den vergangenen Jahren starken Verwerfungen ausgesetzt waren. Gleichzeitig machte der FvB-Geschäftsführer aber auch deutlich, „dass die Gaseinspeisung nicht in jedem Fall der effizienteste Weg der Biogasnutzung ist“. Vielmehr biete die Vor-Ort-Verstromung in vielen Fällen den besten Nutzungspfad.

 

Treibhausgase als K.O.-Kriterium im Wärmemarkt

Für die Zukunft des EEG mahnte da Costa Gomez Stabilität an, kritisierte aber gleichzeitig die Tendenz zum Detailreichtum im Gesetz. „Die Entwicklung hin zu einer zunehmenden Komplexität kann so nicht weitergehen. Es muss eine Vereinfachung geben“, verlangte da Costa Gomez. Er verwarf eine stärkere Öffnung des Wärmemarktes für Biogas, das derzeit nur bei Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf die Verpflichtung zur Nutzung regenerativer Quellen im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) angerechnet werden darf. Schon aus Sicht des Klimaschutzes mache eine solche Öffnung des EEWärmeG - geschweige denn die Ausweitung auf den Gebäudebestand - keinen Sinn, betonte da Costa Gomez. Aufgrund der gegenüber anderen fossilen Energieträgern sehr guten Klimabilanz von Erdgas liege das Einsparpotential an Treibhausgasen (THG) bei aufbereitetem Biogas je nach Anlagen- und Einspeisekonstellation häufig nicht einmal unter der in der deutschen Nachhaltigkeitsverordnung fixierten Vorgabe von 35 %. Nach diesem Wert müsse sich aber künftig voraussichtlich auch die Biogasbranche richten. „Das THG-Argument wird für Biogas im Erdgas-Wärmemarkt ein K.O.-Kriterium“, warnte der FvB-Geschäftsführer. Das EEWärmeG dürfe nicht zum Instrument für die großen Energieversorger werden, ihre Absatzschwierigkeiten am Heizungsmarkt zu beheben. Vielmehr gelte es, verstärkt mit anderen erneuerbaren Energien wie Solarthermie und Holz zu heizen und die Häuser besser zu isolieren.

 

Keine Treibhausgasbilanz für jede Anlage

Die Treibhausgaseinsparungen sind für da Costa Gomez auch das entscheidende Argument für ein EGE. Dass man mit einem EGE durch die damit verbundenen Kosteneffekte indirekt auch in die Konkurrenzsituation zwischen Heizöl und Erdgas eingreift, hält er daher nicht für problematisch. Schließlich liege es am Gesetzgeber, künftig die geringeren Klimagasemissionen von Erdgas und Biogas gegenüber dem Heizöl zu belohnen. Individuelle Treibhausgasbilanzen für jede Biogasanlage hält der FvB-Geschäftsführer wegen des damit verbundenen Aufwandes hingegen nicht für sinnvoll. Im Übrigen hält er aufgrund gestiegener technischer Standards in der Biogasproduktion und wohl kaum noch sinkender Preise für nachwachsende Rohstoffe Kostensenkungen für die Anlagenbetreiber für schwierig. „Wir sehen momentan nicht, dass die Kosten der Biogasproduktion drastisch sinken werden“, betonte der FvB-Geschäftsführer.

 

Bundesregierung im Wort

Klare Netzanschlussregeln für die Einspeisung von Biomethan werden laut da Costa Gomez schon allein deshalb benötigt, um auch kleineren Anlagen, beispielsweise mit einer Aufbereitungsleistung ab 200 cbm pro Stunde, den Zugang zum Gasnetz zu ermöglichen. Für den Netzzugang solcher Anlagen kommen laut seiner Auffassung auch Niederdruckstufen im Gasnetz in Frage. Etwaige Probleme mit einem Überangebot an Biogas in nachfrageschwachen Sommermonaten seien lösbar. „Wenn wir das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel erreichen wollen, bis 2020 rund 6 Mrd cbm aufbereitetes Biogas ins Netz einzuspeisen, muss sich an den Rahmenbedingungen etwas ändern“, stellt der FvB-Geschäftsführer fest. Dass der Vorstoß für ein Biogaseinspeisegesetz bei den drei größten Fraktionen im Bundestag bisher nur auf verhaltene Resonanz gestoßen ist, erklärt der FvB-Geschäftsführer auch mit der aktuellen Debatte um die EEG-Vergütung für Photovoltaik. Man scheue sich nun, ein neues Fass aufzumachen.

 

In die landwirtschaftliche Produktion einfügen

Damit die Biogasnutzung eine höhere Akzeptanz erreicht, müssen sich die Vergärer nach dem Dafürhalten von da Costa Gomez in die landwirtschaftliche Produktion einpassen. Dies sei für Großanlagen schwieriger, die in der „Fütterung“ nicht so flexibel seien wie landwirtschaftliche Anlagen, wo die Betreiber zum Teil je nach Markt- und Witterungslage über die Substratmischungen entschieden. Kritisch äußerte sich der Geschäftsführer des Fachverbandes zu Bestrebungen, etwa über eine verstärkte EEG-Vergütung für die Grasvergärung einkommensstabilisierende Effekte in Grünlandregionen zu bewirken. „Das EEG ist dazu da, die Weichen für die Energieversorgung der Zukunft richtig zu stellen und nicht um Agrarstrukturpolitik zu betreiben“, stellte der FvB-Geschäftsführer klar. Einzelne EEG-Regelungen seien diesbezüglich sicher im Grenzbereich, so zum Beispiel der Güllebonus. Der Fachverband hatte beim Güllebonus einen anderen Ansatz verfolgt, als im letztendlich verabschiedeten Modell mit einem Aufschlag von 4 Cent/kWh zum Ausdruck kommt. Nach FvB-Plänen sollte der Güllebonus Teil der EEG-Grundvergütung und damit unabhängig von den Input-Stoffen der Biogasanlage werden. Damit hätten Kleinanlagen generell eine stärkere Förderung erfahren. Kritisch äußerte sich da Costa Gomez zum Landschaftspflegebonus. Die verstärkte Vergärung von Reststoffen, wie eigentlich beabsichtigt, werde mit diesem Bonus nicht stimuliert.

 

Untersaaten und Zwischenfrüchte statt einer Lex Mais

Nicht missen will der Biogas-Geschäftsführer den Mais im Energiemix der Zukunft: „Aufgrund von Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden - Stickstoffüberdüngung und hohe Güllegaben -, ist der Mais heute in der Umweltszene stigmatisiert und wird verteufelt.“ Dies geschehe aber zu Unrecht, denn der Mais sei als C4-Pflanze hocheffizient in seiner Photosyntheseleistung. Um Herausforderungen im Umweltschutz wie Erosionsgefahren zu begegnen, sieht da Costa Gomez in der Nutzung von Untersaaten und Zwischenfrüchten ein gutes Mittel für den Maisanbau. Er wandte sich aufgrund solcher Möglichkeiten gegen Beschränkungen für den Mais im EEG. Mit Blick auf die schon in zwei Jahren geplante nächste EEG-Novelle warnte er vor einer erneuten Verunsicherung der Branche, wie sie 2007 und 2008 um sich gegriffen habe. Stocke der Markt schon im nächsten Jahr wieder, werde es für die Hersteller extrem schwierig.


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