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26.08.2010 -
Agribusiness wird häufig unterschätzt
„Das Agribusiness ist der wohl am häufigsten unterschätzte Wirtschaftszweig Deutschlands.“ Mit dieser Feststellung beginnt die WGZ-Bank ihren Branchenreport im jüngsten Mittelstandsmagazin des Düsseldorfer Zentralinstituts.
Verwiesen wird auf eine aktuelle Studie der Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernst & Young, wonach die mehr als 600 000 Beschäftigten der Branche einen Umsatz von rund 200 Mrd Euro pro Jahr erzielen. „Damit ist das Agribusiness nach der Automobilindustrie Deutschlands zweitgrößter Wirtschaftszweig“, unterstreicht Thomas Löcker, Bereichsleiter Firmenkunden bei der WGZ-Bank. Hierzulande fließe jeder fünfte Euro der privaten Konsumausgaben ins Agribusiness. Noch mehr würden die Deutschen nur fürs Wohnen ausgeben. Zum Agribusiness zählen laut Löcker alle Unternehmen, die die Verbraucher mit ausreichenden und qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln versorgen. Die Wertschöpfungskette beginne bei Vorprodukten wie Saatgut, Dünge- und Futtermitteln. Sie umfasse Betriebe der Erstverarbeitung wie Molkereien, Schlachthöfe und Mühlen ebenso wie Zerlegebetriebe, Betriebe für Zusatz- und Hilfsstoffe und weiterverarbeitende Betriebe. Auch Firmen der Endproduktion wie Bäckereien oder Fleischerfachbetriebe sowie Handelsunternehmen zählten dazu, ebenso Gartenbau- und andere Sonderkulturunternehmen.
Im harten Wettbewerb
Viele dieser Verarbeitungsstufen stehen laut Löcker in einem harten internationalen Wettbewerb, denn das Agribusiness umfasse Branchen mit hohen Import- und Exportraten sowie hart umkämpften Marktanteilen bei unterschiedlichen Marktspannen, „und zwar auf jeder einzelnen Stufe der Wertschöpfungskette“. Der WGZ-Bank zufolge haben die Agrarexporte in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Deutschland habe 2009 im internationalen Agrarhandel bei den Exporten den dritten und bei den Importen den zweiten Platz belegt. In der Ernst-&-Young-Studie hätten 81 % der Befragten Entwicklungen des internationalen Agribusiness als Chance betrachtet; nur 19 % hätten darin ein Risiko gesehen. Einen wichtigen Grund für die Wachstumsraten im internationalen Geschäft sieht die WGZ-Bank in der immer stärkeren Öffnung der Ernährungsmärkte. Früher seien diese oft abgeschottet gewesen.
Weltweite Öffnung und globaler Handel
Vor allem die europäischen Agrarpolitiker begründeten laut WGZ-Bank die Politik der geschlossenen Märkte mit dem Argument der Versorgungssicherheit. Doch die Butterberge und Milchseen seien immens gewachsen und hätten für tiefgreifende Änderungen in der Agrarwirtschaft gesorgt. Die neue gemeinsame Agrarpolitik Europas habe die Voraussetzungen dafür geschaffen, was in anderen Wirtschaftsbereichen längst üblich gewesen sei: weltweite Öffnung und globaler Handel. Die Unternehmen des Agribusiness hätten sich fortan an den internationalen Märkten orientieren und entsprechend agieren können. „Heute ist dieser Prozess einer der stärksten und zukunftsorientiertesten zugleich. Eine Abschwächung oder gar ein Ende ist nicht abzusehen“, so Dr. Gerd Wesselmann, Agrarexperte bei der WGZ-Bank. Großen Profit ziehe die Branche auch aus den Geschäften mit Schwellen- und Entwicklungsländern. Wirtschaftlich prosperierende Staaten wie China und Indien und weitere Länder mit wachsender Bevölkerung seien die Kunden von morgen. Deutsche Getreide- und Fleischlieferungen gingen oft nach Fernost; russische Konsumenten kauften gern deutsche Milchprodukte. Vor allem in den asiatischen und osteuropäischen Schwellenländern stiegen derzeit sowohl die Kaufkraft als auch das Qualitätsbewusstsein der Verbraucher. Doch ein Selbstläufer sei der Handel mit den neuen Kundengruppen keineswegs. Wenn speziell Deutschland davon profitieren wolle, seien ökonomische Wachsamkeit und eine kluge Markterschließung entscheidend.
Neue Bewegung durch Bioenergie
Zusätzliche Bewegung in die Märkte bringt nach Angaben der WGZ-Bank die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Seit Anfang der achtziger Jahre habe sich deren Produktion verzehnfacht. Der Europäische Rat und die EU-Kommission verfolgten das Ziel, bis zum Jahr 2020 ein Fünftel des Primärenergiebedarfs und ein Zehntel des Kraftstoffbedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Deshalb förderten sie bioenergetische Nutzungen. Das könne zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber der Landwirtschaft führen, was vielfach bereits geschehe, so das Zentralinstitut. Die Pachtpreise stiegen und Landwirte, die keine Bioenergie erzeugten, müssten teurer produzieren als zuvor
Unternehmerische Herausforderungen wachsen
Die von ihr aufgezeigten Entwicklungen führen nach Darstellung der WGZ-Bank zu immer kräftigeren Volatilitäten an den Märkten, zu komplexeren Investitionen und zu immer stärker herausfordernden Unternehmeraktivitäten. Damit erlange ein entsprechend versiertes Management eine herausragende Bedeutung. Diese Umstände beträfen ganz selbstverständlich die effektive Bewirtschaftung der Betriebe ebenso wie die qualifizierte Unternehmensführung und schließlich auch das Risiko- und Innovationsmanagement.






