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31.08.2010 -
Von Braun plädiert für einen Club der Getreideexportländer
Der Leiter des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEI), Prof. Joachim von Braun, hat sich für die Schaffung eines Clubs der wichtigsten Getreide-Exportländer ausgesprochen.
Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vertrat von Braun die Auffassung, Mitglieder dieses Clubs sollten eine Reserve auf globaler Ebene anlegen, „eine echte Weltgetreidereserve“. Hinzu solle ein virtueller Speicher kommen. Diese virtuelle Getreidereserve könnte aus einem Kapitalfonds im Volumen von 20 Mrd $ (15,9 Mrd Euro) bis 30 Mrd $ (23,8 Mrd Euro) bestehen, der in Krisensituationen einsetzbar sei, so von Braun. Spielten die Preise verrückt, decke sich dieser Club mit Terminkontrakten an allen wichtigen Börsen ein. Mit der Summe könne man etwa die Hälfte der international gehandelten Menge von Weizen, Reis und Mais kaufen. Diese Produkte seien entscheidend für die Armen, betonte der ehemalige Chef des Internationalen Zentrums für Ernährungsforschung (IFPRI). Der Club übernehme also die Rolle einer Zentralbank für Weltgetreide. Mit seiner Empfehlung greift von Braun eine Debatte auf, die schon vor gut einem Jahr auf dem Welt-Getreideforum in Sankt Petersburg eine wichtige Rolle gespielt hatte. Während Russland damals eine Reserve befürwortete, äußerten sich die G8-Agrarminister zurückhaltend zu solchen Plänen.
Terminmärkte regulieren
Handlungsbedarf sieht von Braun auch an den Terminmärkten. Spekulation müsse teurer werden, forderte er. Finanzakteure müssten künftig bei jeder Transaktion im Termingeschäft Kapital hinterlegen, um ernsthaftes Handelsinteresse zu unterstreichen. Das schrecke all jene ab, „die im Markt nur kurz rein- und rausspringen, um Gewinne mitzunehmen“. Hinterlegtes Kapital, das bei jedem gehandelten Kontrakt fällig wäre, erhöhe die Kosten des Spekulierens, weil es Liquidität binde, betonte der ZEI-Leiter. Wichtig sei auch ein transparenter Markt. Es müsse erkennbar werden, wer aus echtem Interesse am Rohstoff handle und wer nur aus Finanzinteresse spekuliere. Außerdem sollte eine unabhängige Clearingstelle künftig den Handel überwachen, meint von Braun. Diese sollte bei jeder Transaktion prüfen, ob die Geldhäuser die Geschäfte sauber trennten.






