Initiative Tierwohl

Idee Bonussystem: Wie soll es funktionieren?

Das Tierwohl vor allem in der Schweine- und Geflügelhaltung bestimmt derzeit die Diskussionen um unsere Landwirtschaft. Auch die Landwirtschaft selbst sucht nach Lösungen und diskutiert derzeit ein „Tierwohl-Bonussystem“. Mit dem Bonussystem steht erstmals eine sektorale und damit flächendeckende Idee zur Diskussion, mit der sich der Bauernverband derzeit befasst. 

Beispiel Schweinehaltung: Bonuspunkte können vom Sauenhalter, vom Mäster sowie bei Transport und Schlachtung erworben werden. In der Sauenhaltung zählen die Haltungsbedingungen der Tiere (Sau und Ferkel) sowie Eingriffe am Tier. In der Mast sind es die Tierhaltung sowie Futterkomponenten und Medikamenteneinsatz. Der Nutztierhalter bekommt für seine Tierwohlleistungen eine betriebsindividuelle Benotung (Bonitierung). 

Erbringt er bereits Leistungen über dem gesetzlichen Standard, kann er sofort einsteigen und erhält eine entsprechende Punktzahl. Jeder Betrieb kann sich ausrechnen, wo eine weitere Erhöhung des Tierwohls möglich ist und auf seinem Betrieb den größten Effekt auf das Tierwohl und damit die Punktzahl hat. Die Vergütung soll unabhängig von Preisschwankungen über einen Fonds des Lebensmitteleinzelhandels gezahlt werden. Der Fleischpreis würde sich weiter am Markt bilden. Das Bonussystem läuft sozusagen „parallel“ dazu. Je nach Punktzahl bewegt sich der Bonus im ein- oder zweistelligen Eurobereich je Tier. Bundesweit muss der Fonds mit mindestens mehreren hundert Millionen Euro ausgestattet werden. Der Lebensmitteinzelhandel muss diesen Fonds schultern und verbindliche Zusagen dafür abgeben.

Der Erfolg soll durch geschulte Auditoren kontrolliert werden . Dabei geht es weniger um den bisherigen „Zollstock-Tierschutz“ mit festen Kriterien, sondern um messbare Verbesserungen im Tierverhalten. 

Die Bonus-Kriterien und deren Erfolgsindikatoren sind noch nicht festgelegt, sondern werden derzeit erarbeitet. In den Arbeitsgruppen sitzen Vertreter der Landwirtschaft, der Schlachtung und des Handels. Dazu gehören Vertreter des Tierschutzes und der Wissenschaft. Dabei gilt folgende Marschrichtung: Solange nicht alles beschlossen ist, ist nichts beschlossen. Auch der Deutsche Bauernverband diskutiert das Modell in seinen Gremien. Betont wird, dass dieses System praktikabel, freiwillig und ohne Zuhilfenahme von QS umgesetzt wird.