Knicks

Achtung: Schnittverbot für Knicks schon ab 1. März!

Dr. Jan Vollmeyer vom Landwirtschaftsministerium hat sich in dem Artikel "Das Kieler Landwirtschaftsministerium informiert: Cross-Compliance-Änderungen 2015" im Bauernblatt vom 13. Dezember 2014 wie folgt geäußert:

Zu den neu zu beachtenden Prüfkriterien zählt das zur Umsetzung des Glöz 7 in § 8 Absatz 3 AgrarZahl-VerpflV geregelte Schnittverbot für Hecken und Bäume während der Brut- und Nistzeit. Dieses Schnittverbot bezieht sich ausschließlich auf die ebenfalls unter den Schutz von Glöz 7 fallenden Landschaftselemente und betrifft in Schleswig-Holstein vor allem die Knicks. Der Verbotszeitraum orientiert sich an den artenschutzrechtlichen Vorgaben in § 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz und beginnt im Unterschied zum in § 27 a des schleswig-holsteinischen Naturschutzgesetzes geregelten Schnittverbot nicht am 15., sondern bereits am 1. März eines Jahres.
Obwohl also in den ersten beiden Märzwochen die Knicks nach Landesrecht eigentlich noch zurückgeschnitten werden dürfen, müssen innerhalb dieses Zeitraums durchgeführte Rück- und Pflegeschnitte als CC-Verstoß geahndet werden. Derartige Verstöße schlagen im Regelfall mit einer 3%igen Kürzung der Prämie zu Buche. Die Einhaltung des Verbots wird bereits im kommenden Jahr geprüft.

Schützenswerte Landschaftselemente Schleswig-Holsteins

Redder mit Überhältern (Foto: Büro Mordhorst)

Das Knicknetz in Schleswig-Holstein ist mit etwa 68.000 km Länge einmalig in Deutschland. Seit ca. 1770, damals vornehmlich zur Abgrenzung von Koppeln bzw. des Privatbesitzes angelegt, sind diese bepflanzten Wälle ein typischer Bestandteil der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft geworden. Regional sind die Knicks bei ihrer Anlage höchst unterschiedlich bepflanzt worden, so dass sie sich in ihrer Gehölz- und Artenzusammensetzung grundlegend unterscheiden. Zum Teil sind auch ebenerdige Knicks angelegt worden. Deshalb kann man schwerlich von „dem typischen schleswig-holsteinischen Knick“ sprechen, vielmehr sind die regionalspezifischen Besonderheiten zu beachten.

Die schleswig-holsteinischen Landwirte haben ihre Knicks über Jahrhunderte durch Pflege und Nutzung erhalten. Auch heute stehen die Landwirte zu dieser Tradition und ihrer Verantwortung für diese Landschaftselemente. 

 

Neue Knickschutzregelungen

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume hat zum 1. Juli 2013 neue Regelungen zum Thema Knickschutz erlassen. Damit wurden die Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen stark eingeschränkt. 

Kernpunkte der neuen Regelungen:

·        Einführung eines 50 cm breiten Saumstreifens entlang des Knicks!

·         „Auf-den-Stock-Setzen“ (Knicken) alle 10-15 Jahre im Zeitraum vom 1.10. bis 14.03. 

·        Neue seitliche Rückschnitt-Methode! 

·        Starker Überhälter-Schutz: Bäume mit Stammumfang von 2 m (gemessen in 1 m Höhe) dürfen gar nicht mehr gefällt werden!

Die ausführlichen Regelungen können in dem folgenden Bauernblatt-Artikel nachgelesen werden: 

Leitet Herunterladen der Datei einNeue Regelungen zum Knickschutz in Kraft getreten! 

 

Bereits jetzt haben sich aufgrund dieser Regelungen einige Fragen bei der praktischen Umsetzung aufgetan. Der Bauernverband und weitere Institutionen haben hierzu Fragen an das Landwirtschaftsministerium gestellt. Diese Fragen wurden vom MELUR durch den folgenden Fragenkatalog beantwortet:

Leitet Herunterladen der Datei ein50 Fragen und Antworten zur Umsetzung der neuen Knickschutzregelungen

Der Bauernverband kritisiert die neuen Regelungen scharf. Diese Anforderungen stellen einen Eingriff in das Eigentum der Landwirte dar, eine Begründung für eine fachliche Notwendigkeit wurde nicht geliefert. 

Allein durch die Einführung des Saumstreifens gehen 3500 ha Ackerland aus der Bewirtschaftung verloren, hinzu kommen etwa 2000 ha Grünland, da auch hier vor dem 15. Juli keine Bewirtschaftung, die Beweidung ausgenommen, zulässig ist. Durch das seitliche Auswachsen des Knicks wird eine deutlich größere Fläche nicht mehr bewirtschaftbar sein, denn nach dem „Auf-den-Stock-setzen“ ist ein seitlicher Rückschnitt erst nach sechs Jahren zulässig, danach alle 3 Jahre. Des Weiteren wird dies durch den Schrägschnitt bzw. alternativ durch den senkrechten Schnitt im Abstand von einem Meter zum Knickwallfuß weiterhin verschärft. 

Mit den Worten „Wir geben unseren Widerstand nicht auf“ kündigte Präsident Schwarz an, gegen die neugefassten Regelungen auch mit rechtlichen Schritten anzugehen. 

 

Rechtliche Historie

Seit 1973 ist das Knicknetz in Schleswig-Holstein aufgrund des Landschaftspflegegesetzes bzw. später durch das Landesnaturschutzgesetz auf besonders strikte Weise geschützt. 

Die Aufhebung des Knickerlasses im Jahr 2005 wurde von einigen als wichtiger Schritt zur Entbürokratisierung angesehen, von anderen mit großen Befürchtungen des Kahlschlags zur Kenntnis genommen. Dennoch war der Knick auch nach Aufhebung des Knickerlasses durch das Landesnaturschutzgesetz geschützt. 

Im Jahr 2007 wurde das Landesnaturschutzgesetz geändert und enthielt fortan keine detaillierten Bewirtschaftungsauflagen zur Knickpflege. Diese vermeintliche Lücke wurde am 21.09.2007 durch die freiwillige Knickpflegevereinbarung zwischen dem Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, dem Landesverband der Lohnunternehmer und dem Bauernverband geschlossen. Mit der Unterzeichnung wurde vereinbart, die maschinelle Knickpflege unter Berücksichtigung der ökologischen Belange fortzuentwickeln. Zu diesem Zweck verständigte man sich auf entsprechende Grundsätze und Empfehlungen.

Einsatz der Knickschere mit anschließendem Nachsägen (Foto: Stephan Gersteuer)

Aufgrund der Verordnungsermächtigung im geänderten Landesnaturschutzgesetz aus 2007 ist die Biotopverordnung am 22.01.2009 in Kraft getreten. Dadurch hat der Gesetzgeber wieder konkrete Aussagen zur Gestaltung der Knickpflege getroffen. Demnach waren ein senkrechtes Aufputzen bis zum Knickwallfuß und ein fachgerechtes „Auf-den-Stock-Setzen“ etwa alle 10 bis 15 Jahre vom 1. Oktober bis 14. März, verbunden mit einem Überhälter-Management, zulässig. Diese Aussagen waren bereits in der Knickpflegevereinbarung enthalten und die weitergehenden Empfehlungen hatten auch weiterhin Bestand.  

Zurzeit werden Knicks durch § 21 Abs. 1 des Landesnaturschutzgesetzes vom 24. Februar 2010 als gesetzlich geschützte Biotope definiert und in Zusammenhang mit dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 30) ist die Beseitigung eines Biotops verboten. Das gleiche gilt für alle Maßnahmen, die zu einer erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigung dieser Landschaftsbestandteile führen können. Zulässige Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen werden in der Biotopverordnung geregelt.